Infrastruktur-Ökosysteme erweitern mit APIs von Drittanbietern

Application Programming Interfaces – kurz APIs – erlauben es in Geschäftsprozessen die Komplexität zu reduzieren, in dem Arbeitsschritte, welche nicht zur Kernaufgabe des eigentlichen Prozesses gehören, ausgelagert werden. Die Mehrwertdienste von Drittanbietern können durch APIs eingebracht werden, ohne, dass es eines Reengineering der eigenen Wertschöpfung bedarf. Zusammen ist dies eine Komponente, die ein cloudbasiertes Infrastruktur-Ökosystem, wie es bei GAIA-X vorgesehen ist, bringt. In diesem Beitrag wird an zwei aufeinander aufbauenden Beispielen aus einem Hotel die praktische Umsetzung vorgestellt und gezeigt, wie durch die Nutzung eines API-Hubs/API-Marktplatzes wesentliche Hürden einer digitalen Transformation abgebaut werden.

Beispiel 1: Wettervorhersage in Gästeinformation

Im Zuge des Re-Designs seines Entertainmentsystems wollte das Hotel seinen Gästen eine Wetterprognose auf dem „Willkommensbildschirm“ für die kommenden drei Tage anzeigen. Technisch handelt es sich um eine HTML Seite, welche statisch beim Einschalten des TV vom zentralen Server des Entertainmentsystem geladen wird. Ein besonderes Augenmerk wurde darauf gelegt, dass das Layout der Wetterdaten sich perfekt in das Branding/Design integriert, wodurch die Nutzung eines Standard-Widgets nicht möglich gewesen ist. Die Lösung, welche durch den hauseigenen Webentwickler umgesetzt wurde, ruft die Wetterdaten täglich per API Aufruf bei einem Drittanbieter ab und bindet diese in die HTML Seite des Willkommensbildschirms ein.

Dieses sehr einfache Beispiel reicht, um die Komponenten des cloudbasierten Infrastruktur-Ökosystems aufzuzeigen. Der Kernprozess aus Sicht des Hotels ist die Bereitstellung der Willkommensseite für seine Gäste. Hierüber möchte das Hotel die vollständige Kontrolle behalten, weshalb diese auch nur vom hauseigenen Webentwickler gepflegt wird. Die Wettervorhersage hingegen kann nicht selbst erstellt werden, weshalb der Kernprozess durch den Dienst eines Drittanbieters erweitert wird. Technisch ist die Aufgabenstellung dadurch erledigt und die Wertschöpfung des Hotels wurde mit einem zusätzlichen, aus externer Quelle bezogenen, Mehrwert erweitert.

Der Drittanbieter, welcher eine API für den Abruf von Wetterdaten zur Verfügung stellt, ist wie ein Lieferant zu betrachten, wodurch weitere Governance und Compliance Anforderungen zu erfüllen sind, die zum Großteil mit der Nutzung eines API-Hubs/API-Marktplatzes als Intermediär realisiert werden sollten. Das Hotel besitzt einen Rahmenvertrag mit einem solchen Intermediär; darin sind alle Anforderungen zum Datenschutz, Service-Level sowie weitere essenzielle Bedingungen definiert. Die Abrechnung der Kosten erfolgt ebenfalls mit dem Hub/Marktplatz, sodass eine Vielzahl von unterschiedlichen Diensten und deren Nutzung mit nur einem Geschäftsvorfall in der Buchhaltung erledigt werden.

Abgeschlossen werden kann dieses Beispiel, indem ein Blick auf die Kosten/Nutzen der Umsetzung geworfen wird. Das gemietete Entertainmentsystem des Hotels hatte bereits ein „Widget“, welches auf der Willkommensseite eingebunden werden konnte. Dieses Widget hatte jedoch ein Layout und eine Quellenangabe, welche dem Look&Feel nicht entsprachen. Der Zugriff über auf eine Wetter-API und Abruf der Vorhersage kosten das Hotel unter einem Euro pro Monat, wodurch nur der Zeitaufwand des Webentwicklers unmittelbar dem Vorhaben zuzuordnen ist. Der Rahmenvertrag mit dem API-Hub/API-Marktplatz war bereits vorhanden, wodurch kein zusätzlicher Aufwand entstanden ist.

Beispiel 2: Klimaneutraler Hotelaufenthalt

Nachhaltigkeit wird für die Hotellerie immer wichtiger, entsprechend wollte das Hotel ein Angebot machen, sodass der Gast für einen kleinen Aufpreis seinen Aufenthalt klimaneutral gestalten kann. Gerade Geschäftsreisende nutzen dieses Angebot, da so ihre Übernachtung im Nachhaltigkeitsbericht ihres Unternehmens nicht weiter berücksichtigt werden muss. Das letzte Energie-Audit des Hotels hatte ergeben, dass jeder Übernachtung ein spezifischer Fußabdruck von 1,24kg CO2eq zuzuordnen ist, der für einen klimaneutralen Hotelaufenthalt zu kompensieren ist. Zum Zeitpunkt der Abrechnung des Hotelgastes kann auf Basis der Daten einfach berechnet werden, welche Menge Treibhausgas zu kompensieren ist (1,24kg * Anzahl der Nächte = Emission für Aufenthalt). Der Hotelbetreiber wollte auf keinen Fall in den Handel und die Abwicklung von CO2 Minderung-Zertifikaten einsteigen, dennoch sollte der Prozess für den Gast transparent und nachvollziehbar sein.

Die Realisierung erfolgte mithilfe der CO2 Offset API der STROMDAO GmbH. Die API wird parallel zum Checkout-Prozess aufgerufen, wobei lediglich die zu kompensierende CO2 Minus-Menge in Gramm anzugeben ist. Durch die Nutzung eines API-Hubs/API-Marktplatzes als Intermediär, mit dem ein Rahmenvertrag besteht, erfolgt die Abrechnung und die Abwicklung vollständig automatisiert über die Cloud. Der einbindende Entwickler führt im Zuge der Rechnungserstellung lediglich einen API-Aufruf durch (Beispiel in Postman) und merkt sich die Kennung der Kompensation.

Nicht nur für den Hotelbetreiber, sondern auch für seine Gäste, ist der wichtigste Punkt bei der Realisierung eines Produktes „Klimaneutraler Hotelaufenthalt“ die absolut lückenlose Nachweisbarkeit, dass die Aussage valide ist. Parallel zur eigentlichen Umsetzung wurde daher das Infrastruktur-Ökosystem dahingehend erweitert, dass selbst ein Dienst aufgebaut wurde, welcher von den Hotelgästen cloudbasiert genutzt werden kann. Entlang den Vorgaben des Greenhouse Gas Protocol wird zunächst das Energie-Audit als Grundlage verwendet, um daraus die spezifische Treibhausgasemission je Nacht abzuleiten. Das Ausmultiplizieren für eine Übernachtungsrechnung wird gezeigt und die Referenz des Kompensationsvorgangs beim Drittanbieter. Von der API des Drittanbieters werden im Hintergrund die Daten für eine weiterführende externe Validierung abgerufen.

Lessons Learned

Eine der wichtigsten Elemente von GAIA-X ist es, praktikable Lösungen effizient nutzbar zu machen. Hierzu ist es wichtig, dass frühzeitig eine Architektur für ein cloudbasiertes Infrastruktur-Ökosystem aufgebaut wird. Für den Aufbau relevant ist, dass die Nutzungshürde in der alltäglichen digitalen Transformation so gering wie möglich ist, auch wenn dies bedeutet, dass ein Rahmenvertrag allein für die Nutzung eines Wetterdienstes zunächst unwirtschaftlich klingt.

In diesem Beitrag wurde bewusst ein Beispiel gewählt, welches einfach nachvollziehbar und übertragbar auf andere Branchen/Bereiche ist. Rückfragen aus dem Bereich des Gastgewerbes nimmt die HKZ – Energie und Innovation GmbH entgegen. Ein unkomplizierter API-Marktplatz für Energieservices bietet die Switchboard GmbH aus Stuttgart, bei der auch einige der in CloudMall BW entstandenen Services als API verfügbar sind.